Die Wallfahrt nach Santiago de Compostela -
ein historisches Phänomen von europäischen Dimensionen
  Richtungswegweiser
Mobilität ist keine Errungenschaft der Moderne. Auch in vergangenen Zeiten waren viele Menschen zeitweilig oder dauerhaft unterwegs – aus politischen oder aus militärischen, aus ökonomischen oder aus religiösen Gründen.
Aus Sorge um das Seelenheil zogen einst Abertausende von Pilgern zu nahen oder fernen heiligen Stätten.

Zu den bevorzugten Wallfahrtszielen zählte über Jahrhunderte hinweg eine geistliche Metropole im äußersten Westen des europäischen Kontinents: Santiago de Compostela. Dort wurde – und wird – der in Jerusalem unter König Herodes Agrippa I. hingerichtete Apostel Jakobus der Ältere verehrt, dessen Grabstätte nach legendärer Überlieferung im frühen 9. Jahrhundert im spanischen Galicien „wiederentdeckt“ wurde. Im Hochmittelalter entwickelte sich der nach Jakobus umbenannte Ort zu einem Kristallisationspunkt der Heiligenverehrung; die Pilgerfahrt nach Santiago wurde zum Inbegriff einer Fernwallfahrt, die Jakobsmuschel zu ihrem Sinnbild. Für die Menschen des Mittelalters stand Santiago in einer Reihe mit den Wallfahrtszielen Rom und Jerusalem.

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